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Eng aneinandergerückt standen im mittelalterlichen Wachenheim die Häuser in den schmalen Straßen und Gassen. Als Fachwerk gebaut und oft mit Stroh gedeckt, waren sie für Brände besonders anfällig. Und brach erst einmal ein Feuer aus, konnten ganz viele Viertel abbrennen.

Es ist daher verständlich, dass man schon früher dem Feuerschutz besondere Aufmerksamkeit schenkte. Eine ständige „Feuercommission“, die aus den Viertelmeistern und einigen Ratsmitgliedern bestand und sich später aus dem Unterschultheißen, drei Ratsmitglieder und einem Maurermeister zusammensetzte, war für die gesamten feuerpolizeiliche Maßnahmen zuständig. Als „Feuerbeschau“ machte sie mehrmals im Jahr ihre Kontrollgänge in den einzelnen Anwesen. Nach den vorliegenden Berichten gab es immer etwas zu beanstanden, wie Scheunen, Ställe und sogar auf Backhäusern, vorhandenen Strohdächer, deren Entfernung in den meisten Fällen verlangt wurde. Auch die Kamine und Schornsteine aus gestellten Backsteinen wurden verworfen. Besonders sorgfältig war die Kontrolle der häuslichen Feuerstellen, die ja früher noch offen waren. Der „Feuercommission“ oblag auch die Organisation der Brandbekämpfung. Es sei noch vorausgeschickt, das 1829 das Wach- und Spritzenhaus gegenüber dem neuen Stadthaus gerade erbaut war. Die Feuerverordnung sollte hinlänglich bekanntgemacht, auch sollten die Herren Geistlichen eingeladen werden, wenigstens einmal im Jahr einen Auszug aus derselben von der Kanzel vorzulesen. Grundsätzlich war darin festgelegt, dass im Falle eines Brandes alle Bewohner der Stadt, ausgenommen die Kassenbeamten, Ärzte, Apotheker, Wundärzte, alte und gebrechliche Leute und die Kinder auf der Brandstätte erscheinen müssen. Die Kommission bestimmte alljährlich 20 Mann zur Wache. Davon standen zwei bei der Gemeindeeinnehmerei, zwei gingen auf das Stadthaus. Die Übrigen waren am Brandplatz oder patrouillierten in den Straßen der Stadt. Auch die Spritzenmeister wurden ernannt. Da sie die Spritzen zu unterhalten hatten sollten sie, wie von jeher, von Fronden verschont bleiben. Im Spritzenhaus befand sich 1929 eine fahrbereite Feuerspritze. „Sobald der Zustand der Gemeindekasse es erlaubt, sollte noch eine tragbare Handspritze angeschafft werden. „Zu der vorhandenen Spritze fertigte 1803 der Schuhmacher Koch einen Schlauch, wozu er 106 Schuh = neun Quadratmeter Leder, zehn Pfund Inschlich (Unschnitt) und zwei Pfund Schweinefett verbrauchte. Im Spritzenhaus waren auch die Feuereimer aus Leder, von denen jeder angehende Bürger einen zu liefern schuldig war, ferner die Feuerleiter und die Feuerhacken (Zum Vergleich: 1737 hatte die Stadt drei neue Spritzen, 69 Feuereimer, zwei neue Leitern, zwei neue Hacken). Jeder Hauseigentümer und Mitbewohner war angehalten, eine Logel und einen Schöpfkübel in stets wasserhaltendem Zustand in seinem Keller aufzubewahren.


Bei einem entstehenden Brand sollte von dem, der ihn zuerst gewahrte, durch die Stadt – „Feuer“ – gerufen werden. Des nachts durften sich die Nachtwächter nicht damit begnügen, die Stunden auszurufen, sie mussten vielmehr auf Feuer und Licht besonders aufmerksam sein und bei wirklich ausgebrochenem Brand „auf alle mögliche Art Lärm machen“. Die Sturmglocke musste sogleich angezogen und bis zur gänzlichen Löschung des Feuers in Absätzen fortgeläutet werden. Die Spritzenmeister und die zum Dienst an der Feuerspritze bestimmten Bürger hatten sich sogleich bei der Spritze einzufinden und dafür zu sorgen, dass sie so schnell wie möglich nach der Brandstätte gebracht wurde. Zu diesem Zwecke sollten sich in der Nähe des Spritzenhauses wohnende Pferdebesitzer mit angeschirrten Pferden einfinden. Weiter mussten zwei gesattelte Pferde bereitstehen, um im Notfall reitende Boten auch auswärts um Hilfe zu schicken. Die Maurermeister und Gesellen hatten sich nach dem Spritzenhaus zu begeben, die Feuerleiter und Feuerhacken nach der Brandstätte zu schaffen und dort deren Aufstellung zu besorgen. Die Zimmerleute gingen mit Äxten versehen, an die Brandstelle. Bei dem ersten Feuerrufe musste jeder Einwohner, der dazu fähig war, mit einer gefüllten Logel und einem Schöpflöffel, dann das weibliche Personal mit gefüllten Wasserkübeln, sich an den Brandplatz begeben. Dort waren auch Abladezuber zu Aufnahme des Wassers bereitgestellt. Das Wasser, welches die Lindenmühle betrieb, war sofort in den Altenbach zu leiten und beim Eckhardschen Garten(Betz) zu stauen. Auch der durch die Stadt laufende Bach war zu schwellen. Das Wasser aus dem Altenbach war von Fuhrleuten mit Lotten zum Brandherd zu bringen, während das des Stadtbaches mit Logeln und Kübeln geholt wurde. Die „Feuercommission“ musste besonders darauf sehen, dass soviel als möglich, Ordnung herrschte und dass sogleich die anwesenden Leute, welche mit Kübeln und Feuereimern versehen waren, in Reihen aufgestellt wurden, im die gefüllten Eimer von einer Hand zur anderen bis zum Brande und von da leer zurückzubringen. Entstand ein Brand bei Nacht, so war aus jedem Hause eine Laterne mit einem Licht zu hängen und solches bis an den Tag brennend zu halten. Nach einem Brand sah die Rechnung etwa folgendermaßen aus: Im Juli 1726 gab es im Haus von Karl Schutter Feuer, verursacht durch fahrlässiges Verhalten der Angehörigen des Juden Isaac Aaron, die an diesem Tage große Wäsche hatten. Die Sturmglocke läutete und die Bürger kamen zur Hilfe herbei. Das Dach, vielleicht mit Stroh gedeckt, brannte ab. Der Schade betrug 20 Gulden. Davon musste Aaron 15 Gulden bezahlen, die übrigen fünf die Hausbesitzer wegen des schlechten, brandgefährdeten Zustand des Anwesens. Weil er das Feuer verursacht hatte und die Sturmglocke geläutet werden musste, sollte Aaron noch zehn Gulden Strafe bezahlen. Da er aber selbst zu Schaden gekommen war, wurden ihm fünf Gulden erlassen. Soviel aus der Praxis der „guten alten Zeiten“. Wir sehen, wie sehr man darauf bedacht war, Brände schon gar nicht aufkommen zu lassen und dass bei einem doch ausgebrochenem Brande alles eingesetzt wurde, um den Schaden zu lokalisieren. Eine Feuerwehr im heutigen Sinne war damals nicht vorhanden.


Schreiben an das Bezirksamt Am 5. März 1869 berichtete das Bürgermeisteramt an das Bezirksamt Neustadt, dass sich in Wachenheim unter der Vorstandschaft des Stadtrats Georg Praff eine „Freiwillige Feuerwehr“ gebildet habe. Auf Rückfrage teilt das Bürgermeisteramt weiter mit, dass der Stadtrat der Feuerwehr in jeder Weise entgegenkomme und auch die Mittel für die Anschaffung der Requisiten bewilligt habe. Die Wehr wurde nach den Richtlinien des „neuen Feuerlöschwesens“ organisiert. Als sie 1870 dem 1868 gegründeten Pfälzischen Feuerwehrverband als 16. Mitglied beitrat, bestand die Mannschaft aus 115 Feuerwehrleuten und 35 Hilfskräften. Sie verfügten über drei „Maschinen“, das heißt, zwei größere und eine kleinere Feuerspritze. Nach der Feuerlöschordnung von 1872 ließ die Stadt das Steiggerüst (Steighäusel) und einen Geräteschuppen an der Burgstraße erstellen. Auch nach der Einführung der Feuerwehr erwartete man von allen in den Haushalten entbehrliche Personen, dass sie sich bei Feueralarm an den Brandplatz verfügen, um beim Herbeischaffen des Wassers behilflich zu sein. Das vorhandene Wasser wurde 1871 mit zwei Bächen und 20 laufenden Brunnen als ausreichend angesehen. Durch den Bau der Wasserleitung und der damit verbundenen Anlagen von Hydranten im Jahre 1900 war eine Umorganisation der Wehr notwendig. Eine vorgeschlagene Verringerung des Mannschaftsstandes erfolgte jedoch nicht. Bis 1932 blieb es bei dem hergebrachten Stand von rund 130 Mann, eine für den eigentlichen Dienst nicht nötige Zahl. Besonders nach dem Krieg 1870/71 militärisch ausgerichtet – „den Kern der Wachenheimer Wehr bildeten die ehemaligen Soldaten“ – legte die Wehr viel zu viel Wert auf die Exerziererei. Nach der Anschaffung einer Motorspritze im Jahre 1931 kam es zu einer Verringerung der Mannschaft auf 116 Mann und zur Auflösung der Waldbrandabteilung. Eine weitere Herabsetzung auf 68 Mann erfolge 1939. Zu dieser Zeit befanden sich hier 66 öffentliche und drei private Hydranten. In den Kriegsjahren 1942/45 war die Wachenheimer Wehr bei Luftangriffen auch auswärts eingesetzt, u.a. in Ludwigshafen, Kaiserslautern und Pirmasens. Die 1944 gegründete Feuerwehrhelferinnen-Abteilung war am 1. Januar 1945 in Ludwigshafen im Einsatz. Ihr gehörten an: Ruth Betz, Anna Hoffmann, Annemarie Hoffmann, Maritha Kolb, Wilma Mahler, Gerda Münch, Hilde Stoffel und Erna Gleber.

   
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